Nachbericht

Nachbericht der Public Health Brigade der Hochschulgruppen der

Universität Münster und RWTH Aachen

– 22.02.2015 – 02.03.2015 in Valle El Naranjo, Nicaragua –

Erst im November 2014 haben wir, das sind fünf Studenten der medizinischen Fakultät, die Hochschulgruppe (HSG) Global Brigades Aachen gegründet. Neben den bereits bestehenden Hochschulgruppen in Bayreuth, München und Münster möchten wir Global Brigades (GB) auch in Aachen fest etablieren. Schnell wurde klar, dass wir uns erst einmal in dieser kleinen Gruppe mit dem Konzept von Global Brigades auseinandersetzen wollen, bevor wir unsere Hochschulgruppe erweitern. Und was wäre da besser geeignet als an einem Projekt von Global Brigades selbst teilzunehmen. Mithilfe der offiziellen Website suchten wir nach Brigaden, Einsätzen vor Ort, die mit unseren Semesterferien vereinbar waren. Kontakte wurden aufgenommen, geskypt, gemailt und bereits im Dezember stand fest, dass wir uns der Hochschulgruppe aus Münster anschließen, um gemeinsam im Februar 2015 nach Nicaragua zu fliegen.

Das Ziel Nicaragua stand also fest. Wir hatten uns zwar schon viel mit dem Thema Global Brigades beschäftigt, doch tauchten Fragen über Fragen auf.

Glücklicherweise hatten wir die Möglichkeit Ende Dezember auf dem Leadershipday in Bayreuth persönlich mit anderen Hochschulgruppen in Kontakt zu kommen und über zahlreiche Themen zu diskutieren und unsere Fragen an die anderen GB-Mitglieder zu stellen. Gerüstet mit diesem Wissen hieß es nun sich auf das Projekt vorzubereiten. Innerhalb kürzester Zeit bauten wir eine Website auf, ließen Flyer drucken, machten Werbung und knüpften Kontakte bezüglich des Fundraisings.

Mitte Januar verstärkte der Pre-Brigade-Workshop mit der HSG aus Münster unsere Vorfreude ungemein. Wir hatten nicht nur die Möglichkeiten die anderen Brigader, Teilnehmer der Brigade, aus Münster persönlich kennenzulernen, sondern uns auch konkret mit dem sich nähernden Projekt auseinander zu setzen. Letzte Fragen wurden geklärt und auch praktische Themen, wie die Packliste und die Vorbereitung des Aufklärungsarbeit vor Ort, wurden besprochen.

Nach dieser monatelangen, nicht immer stressfreien, Vorbereitung für dieses Projekt, waren wir sehr gespannt, als es am 21.02.2015 für vier von uns endlich losging. Unsere 20 Stunden dauernde Anreise führte uns über Houston (Texas) nach Managua, der Hauptstadt Nicaraguas. Den ersten Eindruck des Landes erhielten wir auf unserer Fahrt zu unserem Hostel. Die sehr variable Auslegung von Verkehrsregeln lenkte uns von der bei Nacht doch etwas bedrohlich wirkenden Hauptstadt ab.
Dafür wurden wir sehr herzlich von den Münsteranern am Hostel empfangen und konnten einen der dank 6-stündiger Zeitverschiebung gefühlt längsten Tage unseres Lebens entspannt ausklingen lassen.

Am nächsten Morgen lernten wir endlich unsere lokalen Projektkoordinatoren, Jorge und Jairo, kennen und wurden von diesen nach unserem ersten typischen Nica-Frühstück, welches aus Reis, Bohnen und Eier besteht, zu unserer Unterkunft für die kommenden Tage gebracht.

 

Die erste Fahrt bei Tageslicht verschaffte uns einen genaueren Eindruck von der Gegend und den dort lebenden Menschen. Besonders auffällig war die Vielzahl an Slums in Managua und die dort vorherrschende Armut. Viele Menschen versuchten auf der Straße Lebensmittel an vorbeifahrende Autos zu verkaufen, was sicherlich ein Ausdruck der hohen Arbeitslosigkeit in Nicaragua ist. Per Bus fuhren wir dann in den Norden des Landes zu unserem Projektort „Valle el Narranjo“. Dort waren wir von unserer neuen Unterkunft, einem Hotel in Estelí, positiv überrascht. Am Abend wurden wir offiziell von dem GB-Team begrüßt und über den genauen Ablauf für die nächsten Tage aufgeklärt.

Am Montag war es dann soweit und wir lernten die Familien von Simon und Rafael kennen, mit denen wir zusammen in der darauf folgenden Woche die Projekte durchführen würden.
Nach einer holprigen, zweistündigen Fahrt gelangten wir in ein kleines abgelegenes Dorf in den Bergen, in dem uns die bereits erfolgreich durchgeführten Projekte gezeigt wurden. Zu unserer Überraschung hatten bereits viele der Familien von Global Brigades profitiert, in dem sie Zugang zu neu errichteten Sanitär-und Waschanlagen bekommen hatten. Jorge, unser Projektleiter, erzählte uns, dass es das Ziel wäre möglichst allen Familien eine eigene Anlage zu ermöglichen.
Im Anschluss fuhren wir zu unserem eigenen Projektdorf, Valle El Naranjo, um uns einen ersten Überblick zu verschaffen und uns mit den Familien bekannt zu machen. Von den sauber asphaltierten Straßen in Deutschland verwöhnt, stellte sich hier die Fahrt als etwas holprig heraus, da viele tiefe Schlaglöcher die Fahrt für unseren Busfahrer zu einer Herausforderung machten. Vor Ort bot sich uns dann ein etwas skurriler erster Eindruck. Vor der Grundschule waren Pferde angebunden, Schweine liefen über die Straße und Hühner trieben in den Wohnhäusern des 800 Seelendorfs ihr Unwesen. Die Familien wirkten zwar zunächst zurückhaltend, waren aber sehr freundlich und glücklich über die Unterstützung, welche sie von uns – teilweise nach langer Zeit des Wartens und Sparens – erhalten würden. Die Familien müssen nämlich immer einen geringen Teil des Projektes selber bezahlen. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass sich dadurch das Verantwortungsbewusstsein und die Pflege für die errichteten Bauten deutlich verstärken.

Dieser erste sehr positive Eindruck vergrößerte noch unsere Vorfreude auf die Zusammenarbeit mit den beiden Familien und ihren Kindern. Am Abend erzählte uns Senior Martinez, einer der lokalen Handwerker, etwas über das genaue Vorgehen und die Durchführung der beiden Bauprojekte. In einer Familie sollten die Böden des Hauses betoniert werden und vor den Häusern eine Hygienestation, bestehend aus einer Latrine, einer Dusche, einer Waschmöglichkeit und eines septischen Tanks, gebaut werden. Nach dieser Präsentation starteten wir mit unserer allabendlichen Diskussionsrunde und hatten Zeit uns kritisch mit dem nicaraguanischen Gesundheitssystem auseinanderzusetzen und die Bedeutung von Hilfsprojekten für Nicaragua zu beleuchten.

Am Dienstag konnte dann endlich die eigentliche Arbeit losgehen. Voller Motivation starteten wir aufgeteilt in zwei Gruppen auf unserer neuen Baustelle. Angeleitet durch ausgebildete, lokale Mitarbeiter lernten wir das für das Zementieren der Böden notwendige Betonmischen, wobei wir leider nicht auf den Luxus eines Betonmischer zurückgreifen konnten. Wir schleppten Steine und schwere Sand- und Zementsäcke, die wir dann mit Schaufeln zu großen „Zementvulkanen“ zusammenmischten. die dann durch reichlich Wasser irgendwann als breiiger Beton ausbrachen. Der Beton wurde dann in den Räumen verteilt und mit Hilfe von Holzstreben möglichst glatt gestrichen. Durch die Betonierung des Bodens soll verhindert werden, dass Insekten und andere Krankheitserreger durch den Boden in die Räume der Familien gelangen können. Zudem soll er einen Schutz in der Regenzeit bieten, wenn die Wassermassen bis in die Häuser vordringen. Die Hygienestation und der septische Tank forderte neben weiterem Betonmischen auch handwerkliches Geschick. Nach dem Zementieren des Fundaments wurde Stein für Stein mittels Wasserwaage und Augenmaß aufeinandergeschichtet bis zuletzt Türen, Toilette, Waschtisch, Duschkopf und ein Dach angebracht wurden. Beim Septischen Tank handelt es sich um ein ausgemauertes Loch im Boden, welches durch einen Steinfilter die Fäkalien der Latrine aufbereitet.

Wir waren sehr positiv überrascht von der Vielzahl an hilfsbereiten Nachbarn und Familienmitgliedern, die uns bei jeder Möglichkeit bei unserer Arbeit unterstützten. Die Atmosphäre war die ganze Zeit über sehr ausgelassen und wir hatten gemeinsam viel Spaß bei unserer Arbeit.           Von allen Seiten hieß es auch: „Los Alemanos trabajan como locos – die Deutschen arbeiten wie die Verrückten.“ Die Dorfbewohner hatten nämlich bisher keine Erfahrungen mit dem typisch deutschen Arbeitseifer gemacht und waren letztlich sehr begeistert von unseren schnellen Fortschritten. Auch für uns war es ein fantastisches Gefühl etwas von Hand zu bauen und zu sehen wie es Stein für Stein vorangeht.

Besonders begeistert hat uns der „Education Day“, welchen wir bereits zu Hause vorbereitet hatten. Es wurden so genannte “Charlas“, das heißt Gespräche mit den Familien des Dorfes und den Kindern in den Schulen, durchgeführt. In drei verschiedenen Gruppen haben wir sowohl die Grundschule, die High School als auch drei Familien besucht.

In den Familien wurde der Nutzen unseres Projektes genau erklärt und Fragen diesbezüglich beantwortet. Um zudem die Bedeutung einer guten Händehygiene herauszustellen, nutzten wir Agarplatten aus der Mikrobiologie, die eindrücklich den vermehrten Bakterienwachstum bei Kontakt mit ungewaschenen gegenüber Kontakt mit gewaschenen Händen zeigten. Die übel riechenden Bakterien auf den Agarplatten machten großen Eindruck und regten zum Nachdenken an. Den Kindern der Familie übergaben wir ein buntes Plakat, welches ihnen bildlich die neue Hygienestation erklärt.

In den Klassen der Grundschule versuchten wir mit ebenfalls vorbereiteten Plakaten die Kinder interaktiv ihr bereits erlerntes Wissen zu Hygiene und Trinkwasser demonstrieren zu lassen. Unklarheiten wurden beseitigt, obwohl erstaunlich war, wie gut die Kinder bereits mit diesem Thema vertraut waren. Mit Hilfe eines einprägsamen Liedes lernten die Kleinen singend einige wichtige hygienische Grundsätze.

 

Bei den Schülern der High-School wurde ein anderes, laut unserer Projektkoordinatoren aber mindestens genauso wichtiges Thema aufgegriffen: sexuelle Prävention. Zwar würde in Schulbüchern über diese Art der Prävention geschrieben, aber das Thema sei leider nicht fest im Lehrplan integriert. Mit Hilfe einer Bildergeschichte an der Tafel klärten wir deshalb über die Verwendung von Kondomen auf. Die richtige Handhabung wurde direkt im Anschluss dann an Bananen geübt. Während die Klasse zu Beginn noch sehr schüchtern wirkte, stellten die Schülerinnen und Schüler im Laufe der Zeit immer mehr interessierte Fragen.

 

Am Ende unseres Projektes hieß es dann etwas wehmütig Abschied zu nehmen. Sowohl von der Familie, die wirklich überglücklich über ihre neue Errungenschaft war, als auch von unseren einheimischen Handwerkern, die uns so klasse angeleitet und unterstützt hatten. Abends fand noch eine letzte Reflexionsrunde mit unseren Betreuern Jorge und Jairo statt. Bei dieser hatten wir noch einmal die Möglichkeit über die Erfahrungen zu reden, die wir aus diesem Projekt mitnehmen. Für alle war es sehr schön zu sehen, wie sehr sich die Einheimischen über unsere Unterstützung gefreut haben. Darüber hinaus hat es uns sehr überrascht, wie man in so kurzer Zeit so viel erreichen kann und es steht für uns außer Frage, dass das Projekt ein voller Erfolg war und wir die Lebenssituation der Familien vor Ort nachhaltig verbessert haben. Wir alle konnten einen wichtigen ersten Eindruck der Notwendigkeit, des konkreten Ablaufs und auch der Probleme von Entwicklungszusammenarbeit gewinnen. Diesen Eindruck gilt es nun zu nutzen, um unsere Hochschulgruppe in Aachen weiter auszubauen und weitere Studenten von der Idee der Global Brigades zu überzeugen, damit auch in Zukunft weitere Projekte, wie unser Public Health Projekt in Nicaragua, durchgeführt werden können. Wir vier sind uns einig, dass wir uns auf jeden Fall weiterhin bei Global Brigades engagieren werden.

Ohne Ihre Spende wäre es für uns nicht möglich gewesen an diesem Projekt teilzunehmen und somit den Menschen in Nicaragua zu helfen. Aus diesem Grund möchten wir Ihnen den Dank der Familien weitergeben und uns mit diesem Nachbericht noch einmal persönlich bei Ihnen für Ihr Interesse und Ihre Unterstützung bedanken!

 

Im Namen der Hochschulgruppen „Global Brigades Aachen“

 

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