Public Health Nicaragua

Auf dieser Seite möchten wir euch gerne über den Verlauf unseres aktuellen Public Health Projekts in Nicaragua auf dem Laufenden halten.
Julia, Laura, Felix und ich führen das Projekt zusammen mit der Global Brigades Hochschulgruppe in Münster durch und unser primäres Ziel ist es, die hygienischen Standards im Dorf El Naranjo im Norden Nicaraguas zu verbessern.

 

Anreise (21.02.2015):

Der Weg in unser Projektland führte uns von Amsterdam nach Houston Texas und weiter nach Managua, der Hauptstadt Nicaraguas.
Die Reise dauerte insgesamt etwas über 20 Stunden. Wir starteten morgens um 5 Uhr in Münster, um unseren 10 Uhr-Flug von Amsterdam aus zu bekommen. Zwar hatte dieser knappe 3 Stunden Verspätung, dies verkürzte aber lediglich unsere lange Wartezeit in Houston auf unseren Anschlussflug.
Dank siebenstündiger Zeitverschiebung sind wir noch am selben Tag um 21 Uhr in Managua angekommen.
Als krönender Abschluss hatte sich meine Reisetasche dazu entschieden einen Tag länger in Houston zu bleiben und ich musste erstmal auf mein Gepäck verzichten.
Vom Flughafen aus wurden wir mit dem Taxi zu unserem ersten Hostel, dem “Backpackers Inn” in Managua gebracht. Etwas geschockt über die variable Auslegung von Verkehrsregeln durften wir das erste Mal auf Tuchfühlung mit dem nicaraguanischen Verkehr gehen.
Dafür wurden wir sehr herzlich von den Münsteranern am Hostel empfangen und konnten einen der gefühlt längsten Tage unseres Lebens entspannt ausklingen lassen.

 

Tag 2 (22.02.2015):

Heute haben wir zu erstem Mal unsere lokalen Projektkoordinatoren, Jorge und Jairo, kennengelernt und wurden von diesen, nach unserem ersten typischen Nica-Frühstück (Reis, Bohnen, Eier :)), zu unserer Unterkunft für die kommenden Tage gebracht.
Die erste Fahrt bei Tageslicht verschaffte uns einen guten Eindruck von der Gegend und den dort lebenden Menschen. Besonders auffällig waren die zahlreichen Slums in Managua und die damit verbundene Armut. Viele Menschen versuchten auf der Straße Lebensmittel an vorbeifahrende Autos zu verkaufen, was sicherlich ein Ausdruck der hohen Arbeitslosigkeit in Nicaragua ist. Nach unserer Tour vom Süden in den Norden des Landes, waren wir von unserer neuen Unterkunft, einem Hotel in Estelí, positiv überrascht.
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten Sport zu treiben und einen großen Platz für gemeinsames Essen und Erfahrungsaustausch mit den GB-Mitarbeitern.
Am Abend wurden wir offiziell von dem GB-Team begrüßt und uns wurde der genaue Ablauf für die nächsten Tage erklärt.
Später hatten wir Zeit den Abend gemütlich ausklingen zu lassen und konnten uns auf unser erstes Treffen mit den Familien freuen.

 

Tag 3 (23.02.2015):

Heute war es endlich soweit und wir lernten die Familien von Simon und Rafael kennen, mit denen wir zusammen in den kommenden Tagen die Projekte durchführen werden.
Nach einer etwa 2 stündigen und etwas holprigen Fahrt gelangten wir in ein kleines abgelegenes Dorf in den Bergen, in dem uns die bereits erfolgreich durchgeführten Projekte gezeigt wurden. Zu unserer Überraschung hatten bereits 54 der 67 Familien von Global Brigades profitiert, in dem sie Zugang zu neu errichteten Sanitär-und Waschanlagen bekommen hatten. Jorge, unser Projektleiter, erzählte uns, dass es das Ziel wäre möglichst allen Familien eine eigene Anlage zu ermöglichen.
Im Anschluss fuhren wir zu unserem eigenen Projektdorf, Valle El Naranjo, um uns einen ersten Überblick zu verschaffen und uns gegenseitig mit den Familien bekannt zu machen. Uns bot sich ein etwas skurriler erster Eindruck. Vor der Grundschule waren Pferde angeseilt. Schweine liefen über die Straße und Hühner trieben in den Wohnhäusern des 800-Seelendorfs ihr Unwesen.
Die Familien wirkten zwar zunächst zurückhaltend, waren aber sehr freundlich und glücklich über die Unterstützung, welche sie von uns erhalten werden. Dieser erste sehr positive Eindruck vergrößerte noch unsere Vorfreude auf die Zusammenarbeit mit den beiden Familien und ihren Kindern in den kommenden Tagen.
Am Abend erzählte uns Senior Martinez, einer der lokalen Handwerker, etwas über das genaue Vorgehen und die Durchführung der beiden Bauprojekte.
Nach dieser Präsentation starteten wir mit unser allabendlichen Diskussionsrunde und wir hatten Zeit uns kritisch mit dem nicaraguanischen Gesundheitssystem auseinanderzusetzen und die Bedeutung von Hilfsprojekten für Nicaragua zu beleuchten.

 

Tag 4 (24.02.2015):

Heute Morgen um 7.30Uhr sind wir zu unserem ersten Arbeitstag in das Dorf El Naranjo aufgebrochen.
Als erste Aufgabe musste der Sand, den wir zum Beton mischen brauchen, mit einem Pickup-Truck zur Baustelle gebracht werden. Es war also schleppen, schleppen und nochmal schleppen angesagt, was bei den über 50kg schweren Säcken gar nicht so einfach war :D…
Danach teilten wir uns in zwei Gruppen auf. Die erste Gruppe war damit beschäftigt einen der Wohnungsräume zu betonieren.
Der Beton wurde von uns mit der Hand angerührt. Der Luxus einer Betonmischmaschine ist leider noch nicht in den ländlichen Regionen Nicaraguas angekommen.
Für das Mischen haben wir sechs Eimer Sand mit jeweils einem Eimer Steinen und Zement vermischt. Mit reichlich Wasser haben wir einen flüssigen Brei hergestellt, den wir im Raum verteilen konnten. Durch die Betonierung des Bodens möchten wir verhindern, dass Insekten und andere Krankheitserreger durch den Boden in die Räume der Familien gelangen können.
Die zweite Gruppe hat heute mit dem Bau der Latrinen und des ¨septic Tanks¨ begonnen. Hierfür wurde zuerst ein Fundament zementiert und dann damit begonnen die Wände der Latrinen zu mauern. Beim Septic Tank handelt es sich um ein ausgemauertes Loch im Boden, was durch einen Steinfilter die Fäkalien der Latrinen aufbereitet.
Glücklicherweise war es heute noch relativ bewölkt, was die anstrengende Arbeit relativ erträglich machte.
Wir waren sehr überrascht über die vielen Nachbarn und Familienmitgliedern, welche uns bei jeder Möglichkeit bei unserer Arbeit unterstützt haben. Die Atmosphäre war die ganze Zeit über sehr ausgelassen und wir hatten alle reichlich Spaß bei unserer Arbeit.
Die Dorfbewohner waren zwar etwas von unserem typisch deutschen Arbeitseifer überrascht, letztendlich waren sie aber sehr begeistert von unseren guten Fortschritten an diesem Tag. Auch für uns war es ein fantastisches Gefühl etwas von Hand zu bauen und zu sehen, wie es Stein für Stein vorangeht.

 

Tag 5 (25.02.2015):

Gerade lassen wir entspannt unseren zweiten Arbeitstag ausklingen und bereiten den morgigen Education-Day vor. Wir werden sowohl den Familien, als auch den Schülern des Dorfes etwas über hygienische Maßnahmen erzählen und sexuelle Aufklärung bei den Kindern betreiben.
Doch nun ein kleines Resümee des heutigen Tages.
Insgesamt konnten wir unsere Bauarbeiten gut voran bringen. Im Haus haben wir es geschafft den zweiten Raum komplett zu betonieren und haben damit alle Innenräume für die Zukunft sicher vor Insekten und Schädlingen aus dem Boden gemacht. Morgen werden wir noch einen Teil des Außenbereichs betonieren. Auch das Team, das mit der hygenic station beschäftigt ist, konnte gute Fortschritte verbuchen. Die Dusche und die Latrine wurden zu Ende gemauert und auch der septic tank steht kurz vor seiner Vollendung.
Wie die Tage zuvor waren wir wieder die Hauptattraktion des Dorfes und viele Schüler sind nach der Schule zu uns gekommen, um uns bei der Arbeit zu zuschauen und uns teilweise auch zu helfen. Wir sind noch immer absolut begeistert von der großen Unterstützung, die wir von den ganzen Dorfbewohnern erfahren, und die uns damit wirklich zeigen, dass wir hier willkommen sind.
So können die nächsten Tage gerne weiter gehen
Tag 6 (26.02.2015):

Heute wurden unsere Spanischkenntnisse endgültig auf die Probe gestellt.
Den Morgen haben wir damit verbracht unsere ¨Charlas¨, das heißt Gespräche mit den Familien des Dorfes und den Kindern in den Schulen, durchzuführen.
In drei verschiedenen Gruppen haben wir sowohl die Grundschule, die High School als auch drei Familien besucht.
Unsere Gruppe war damit beschäftigt, den Familien den Nutzen des Projekts genau zu erklären und Fragen diesbezüglich zu beantworten. Darüber hinaus haben wir mittels Agarplatten die Bedeutung einer guten Handhygiene herausgestellt.
Für uns war dies eine tolle Gelegenheit in einer entspannten Atmosphäre ein bisschen Smalltalk mit den Familien zu führen und mehr über ihre Erwartungen und Hoffnungen an unser Projekt zu erfahren. Die Fragen für die Familien haben wir gestern Abend auf Spanisch vorbereitet, was wirklich sehr gut von den Familien aufgenommen wurde. Für alle schwierigeren Fragen stand uns unserer Übersetzer Jorge beiseite. Insgesamt sind wir auf große Dankbarkeit und Gastfreundschaft bei den Familien gestoßen. Dies hat uns nochmals darin bestärkt, dass wir hier etwas Wichtiges tun und wirklich willkommen sind.
Auch hatten wir die Möglichkeit unsere zweite Projektfamilie kennenzulernen und freuen uns schon auf die nächsten Tage mit ihnen.
Am Nachmittag haben wir es dann endlich geschafft unsere beiden Bauprojekte abzuschließen. Das Resultat ist eine sehr schöne ¨hygenic station¨, bestehend aus einer Dusche, Latrine und einem ¨septic tank¨, sowie betonierte Wohnräume und einer betonierten Veranda.
Wir sind glücklich über die klasse Zusammenarbeit mit unseren Team vor Ort und dem tollen Gemeinschaftsgefühl, das sich während der gemeinsamen Zeit entwickelt hat.

Tag 7 (27.02.2015):

Unseren heutigen Tag durften wir damit starten einen schwer bewaffneten Polizeibeamten abzuholen. Das Sicherheitsprotokoll von Nicaragua schreibt die Überwachung von NGO-Projekten für mindestens einen Tag vor. Diese etwas skurrile Regelung sollte uns aber nicht von einem sehr produktiven Arbeitstag abhalten. Die Erwartungen an uns waren durch die Vortage bedingt sehr hoch und deshalb starteten wir unser zweites Bauprojekt in der neuen Familie voller Elan.
Gleiche Teams, neue Rollen waren die Devise. Diesmal waren wir also mit dem Bau der hygienic station und des septic tanks beschäftigt.
Es war also wieder Betonmischen angesagt, um das Fundament zu gießen. Danach war aber Präzision gefragt. Bewaffnet mit Wasserwaage und gutem Auge wurde versuchten wir eine möglichst gerade Mauer zu errichten. Dies stellte sich anfangs als gar nicht so einfach heraus, doch nach ein paar Steinlagen und einigen hilfreichen Tipps durch unseren Maurermeister Erick konnte Schlimmeres verhindert werden :).
Die Routine der Vortage machte sich schnell bemerkbar und wir konnten deutlich mehr schaffen als geplant.
Morgen wird also weiter gemauert, was das Zeug hält.

Tag 8 (28.02.2015):

Die verrückten, arbeitswütigen Deutschen haben es geschafft. Wir konnten unser zweites Bauprojekt einen Tag früher abschließen als geplant. Alle waren noch einmal hochmotiviert und wollten das Projekt unbedingt erfolgreich zu Ende bringen.
Wir haben die letzten Steinreihen für die Latrine gemauert und unsere hygienic station mit Türen und einem Dach ausgestattet. Auch das Bodenteam hat es geschafft heute noch ganze drei Räume zu betonieren und somit das Haus für die Zukunft sicher vor Insekten und Wasserschäden zu machen.
Abschließend haben wir für die Familie noch eine ¨Charla¨ durchgeführt. In der Charla haben wir der Familie noch einmal erklärt, wie die neu errichtete hygienic station und der septic tank funktionieren. Auch unsere Agarplatten kamen noch einmal zum Einsatz, um die Bedeutung einer guten Händehygiene zu verdeutlichen.
Etwas wehmütig hieß es dann Abschied nehmen. Sowohl von der Familie, die wirklich überglücklich über ihre neuen Errungenschaft war, als auch von unseren einheimischen Handwerkern, die uns in den letzten Tagen so klasse angeleitet und unterstützt hatten.
Am Abend fand noch eine letzte ¨reflection¨ mit unseren Betreuern Jorge und Jairo statt. In dieser Runde hatten wir noch einmal die Möglichkeit über die Erfahrungen zu reden, die wir aus diesem Projekt mitnehmen. Für alle war es sehr schön zu sehen, wie sehr sich die Einheimischen über unsere Unterstützung gefreut haben. Darüber hinaus hat es uns sehr überrascht, wie man in so kurzer Zeit so viel erreichen kann und es steht für uns außer Frage, dass das Projekt ein voller Erfolg war und wir uns weiterhin bei Global Brigades engagieren werden.

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